MOSCHEEBAUKONFLIKT IN PANKOW-HEINERSDORF

Moscheebaugegner
 

Entstehung und Ausgangslage des Konfliktes

Ein islamischer Verein plante den Bau einer Moschee. Die Baugenehmigung wurde in einem Gebiet beantragt, in dem kaum Muslim/innen leben und in dem sich die wenigen Einwohner/innen mit islamischem Hintergrund überwiegend als "nicht religiös" definieren.
Erkenntnisse über verfassungsfeindliche Bestrebungen lagen nicht vor, so die Bestätigung der Verwaltung. Baurechtliche Einwände gegen den Moscheebau als Stätte gemeinschaftlicher Religionsausübung ebenfalls nicht. Die politischen Spitzen der kommunalen Selbstverwaltung und der demokratischen Parteien befürworteten das Bauvorhaben als Zeichen geltender Religionsfreiheit.

Unter den Einwohner/innen des betreffenden Bezirks traf diese Haltung jedoch nicht auf ungeteilte Zustimmung, denn einige Bürger/innen fühlten sich von der Bezirkspolitik übergangen. Die kleine Gruppe warb gezielt und erfolgreich um Mitglieder und Sympathisanten im Gemeindekirchenrat, in christlich-konservativen Kreisen und unter lokalen Autoritäten. Sie bekam Zulauf aus der Nachbarschaft und Unterstützung von islamkritischen bis islamfeindlichen Gruppierungen. Auch rechtsextreme Organisationen boten ihre Hilfe an und bezogen sich in eigenen Kampagnen auf den lokalen Bürgerprotest. In dem bisher eher ruhigen Viertel tauchten jetzt Aktivist/innen, Aufkleber und Plakate rechtsextremer Parteien und Organisationen auf. Die Antifa mobilisierte mit Flugblättern gegen die "islamophobe Kampagne rassistischer Spießbürger". Als Antifa-Aufkleber mit der Aufschrift "Nazis raus!" an den Häusern der Moscheebaukritiker gefunden wurden, ging in der Bürgergruppe die Angst vor "der linken Gewalt" um. Sie organisierte eine erste Demonstration unter dem Motto "Nein zur Moschee – Nein zum Extremismus von links und rechts".


Das MBT »Ostkreuz« als konfliktschlichtender Moderator

Der Konflikt um den Moscheebau in Pankow-Heinersdorf zeigte, dass zu den Gelingensbedingungen einer Konfliktschlichtung vor allem engagierte Bürgerinnen und Bürger, aber eben auch professionelle Berater/innen aus dem Bereich der Demokratieförderung und erfahrene Moderator/innen von Gemeinwesenprozessen gehören.

Zentrale Elemente und Ergebnisse der Intervention durch das MBT »Ostkreuz« waren die Organisation und Moderation "vertrauensvoller Dialogprozesse", die ergebnis- und gemeinwesenorientierte Bearbeitung und Berücksichtigung der verschiedenen lokalen Anliegen und Konfliktlinien im Rahmen von Zukunftswerkstätten sowie die Institutionalisierung des bürgerschaftlichen Engagements in Gestalt eines Bürgervereins.


Neutralisierung und Überwindung von religiösen Spaltungslinien

Idealtypisch ist dabei die Vereinbarung von gemeinsamen Maßnahmen zwischen der Anwohnerschaft und der muslimischen Glaubensgemeinschaft, um so einen positiven Beitrag zum Zusammenleben im Gemeinwesen zu schaffen. Konkrete Beispiele sind etwa die Öffnung der Moschee für gemeinwesenbezogene Kooperationsprojekte, die nach überprüfbaren Kriterien arbeiten, oder eine Modifizierung des Bauvorhabens sowie die Erarbeitung eines gemeinsamen Sicherheitskonzepts für die Moschee, an dem die Nachbarschaft aktiv mitwirkt. Die Versachlichung und Pluralisierung des Moscheebaukonflikts wurde insbesondere durch die Gründung des Bürgervereins "Zukunftswerkstatt Heinersdorf" erreicht.

 

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